Anlaute üben: 12 Spiele, mit denen Ihr Kind den ersten Laut hört

Martin von Vorschule.Online 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Anlaute üben heißt, mit Ihrem Kind herauszuhören, mit welchem Laut ein Wort beginnt – bei „Maus“ ist das ein langes „Mmm“. Am besten klappt das mit kurzen Hörspielen im Alltag, ganz ohne Buchstaben und Stift. Wenige Minuten am Tag reichen, und die meisten Kinder haben großen Spaß daran.

Warum das so wertvoll ist: Wer den ersten Laut eines Wortes hören kann, hat einen wichtigen Schlüssel zum späteren Lesen und Schreiben in der Hand. Im Folgenden erfahren Sie, was ein Anlaut genau ist, wie Sie Laute richtig aussprechen und mit welchen 12 Spielen Sie Anlaute üben können.

Was ist ein Anlaut – und warum ist er so wichtig?

Der Anlaut ist der erste hörbare Laut eines Wortes. Bei „Sonne“ ist es ein summendes „Sss“, bei „Apfel“ ein „A“, bei „Fisch“ ein „Fff“. Wichtig: Es geht ums Hören, nicht ums Schreiben. „Vogel“ beginnt hörbar mit „Fff“, auch wenn man es mit V schreibt. Vor der Schule ist das völlig in Ordnung – die Rechtschreibung kommt später.

Viele Grundschulen arbeiten im ersten Schuljahr mit einer Anlauttabelle: Neben jedem Buchstaben steht ein Bild, etwa ein Igel beim I. Kinder, die schon Anlaute heraushören, finden sich darin schneller zurecht. Das Anlaute-Hören gehört zur sogenannten phonologischen Bewusstheit – also zur Fähigkeit, auf den Klang der Sprache zu achten statt nur auf die Bedeutung.

So sprechen Sie Laute richtig aus

Ein häufiger Stolperstein: Wir Erwachsenen kennen Buchstaben vor allem mit ihren Namen – „Em“, „Be“, „Ha“. Kinder brauchen aber den Laut, also das, was man tatsächlich hört.

  • Dehnbare Laute wie M, S, F, L, N, W, Sch ziehen Sie in die Länge: „Mmmaus“, „Sssonne“, „Schschschuh“.
  • Kurze Laute wie B, D, G, K, P, T sprechen Sie knapp, ohne angehängtes „e“: nicht „Be“, sondern ein kurzes „b“.
  • Selbstlaute (A, E, I, O, U) betonen Sie deutlich: „Aaapfel“, „Iiigel“.

Eine mögliche Reihenfolge für den Einstieg:

  1. Zuerst langgezogene Mitlaute: M, S, L, F, N – sie lassen sich wunderbar summen.
  2. Dann die Selbstlaute A, O und I, die sich deutlich voneinander unterscheiden.
  3. Danach kurze Laute wie T, K, P und B.
  4. Zum Schluss Laute, die man leicht verwechselt, und Wörter mit zwei Mitlauten am Anfang.

Diese Reihenfolge ist nur ein Vorschlag – wenn Ihr Kind unbedingt mit dem „Rrr“ vom Rennauto beginnen will, ist das mindestens genauso gut. Starten Sie ansonsten mit Wörtern, die mit einem gut dehnbaren Laut beginnen. „Mama“, „Mond“ oder „Salat“ sind leichter als „Brot“ oder „Kran“, bei denen zwei Mitlaute aufeinandertreffen.

12 Spiele zum Anlaute üben

Die Spiele sind grob von leicht nach schwerer sortiert. Suchen Sie sich zwei oder drei aus, die zu Ihrem Alltag passen. Kurze Runden von 10 bis 15 Minuten sind für Vorschulkinder meist genau richtig – oft reichen sogar fünf.

  1. Der eigene Name: Fangen Sie beim Lieblingswort Ihres Kindes an – seinem Namen. „Lllena – was hörst du ganz am Anfang?“ Danach kommen die Namen von Geschwistern, Großeltern und Freunden dran.
  2. Ich sehe was, das fängt mit … an: Die Laut-Variante des Klassikers. „Ich sehe was, das fängt mit Mmm an.“ Ihr Kind sucht im Raum. Wechseln Sie sich ab, damit auch Ihr Kind Rätsel stellt.
  3. Laut-Stopp: Sie sagen langsam Wörter hintereinander. Immer wenn eines mit „Sss“ beginnt, ruft Ihr Kind „Stopp!“ oder klatscht. Beispiel: Hund, Sofa, Baum, Seife, Tisch, Sonne.
  4. Anlaut-Korb: Legen Sie einen Korb bereit und vereinbaren Sie einen Laut, etwa „Lll“. Ihr Kind sammelt in der Wohnung passende Dinge: Löffel, Lampe, Legostein. Zum Schluss wird gemeinsam geprüft.
  5. Welches passt nicht? Nennen Sie drei Wörter, zwei davon beginnen gleich: „Hose, Hut, Ball.“ Ihr Kind findet den Ausreißer. Das schult genaues Hinhören.
  6. Einkaufsdetektiv: Im Supermarkt suchen Sie zusammen Lebensmittel mit einem bestimmten Anlaut. „Findest du etwas mit Mmm?“ – Milch, Möhren, Mehl. Das verkürzt nebenbei die Wartezeit an der Kasse.
  7. Tiere im Laut-Zoo: Heute dürfen nur Tiere mit „Kkk“ in den Zoo: Katze, Kuh, Krokodil, Käfer. Ihr Kind spielt das Tier nach, wenn es passt. Bewegung macht das Spiel für viele Kinder noch attraktiver.
  8. Anlaut-Memory: Malen oder schneiden Sie Bilder aus. Ein Paar sind zwei Bilder mit gleichem Anlaut, etwa Mond und Maus. So wird aus dem bekannten Spiel eine Hörübung.
  9. Bilderbuch-Suche: Beim Vorlesen suchen Sie auf einer Seite alles, was mit „Bbb“ beginnt: Baum, Blume, Ball. Danach lesen Sie ganz normal weiter – das Buch bleibt ein Genuss.
  10. Kuscheltier-Taufe: Ihr Kind gibt Kuscheltieren neue Namen mit passendem Anlaut: der Fuchs heißt Felix, die Ente Emma, der Hase Hugo. Das ist kreativ und lustig zugleich.
  11. Zaubertausch: Tauschen Sie den ersten Laut aus und hören Sie, was passiert: Aus „Maus“ wird „Haus“, aus „Tanne“ wird „Kanne“. Ihr Kind merkt, dass ein einziger Laut die Bedeutung verändert. Dieses Spiel ist eher etwas für Kinder, die schon sicher sind.
  12. Anlaute im Auto oder im Wartezimmer: Reihum nennt jeder ein Wort mit dem vereinbarten Laut. Wer keins mehr findet, darf einen neuen Laut aussuchen. Ganz ohne Material, überall spielbar.

Wer das Gehörte gern zusätzlich auf Papier festhält, findet Bilder zum Zuordnen im Arbeitsblatt „Anlaute finden“. Viele Kinder malen dort zuerst aus und ordnen dann zu – beides ist in Ordnung.

Anlaute üben mit der App

Manche Kinder mögen es, wenn zwischendurch jemand anderes die Rätsel stellt. Im Spiel „Anlaute hören“ liest Fino der Fuchs jede Aufgabe laut vor, Ihr Kind muss also nicht lesen können. Mit dem Wiederholen-Knopf lässt sich ein Wort beliebig oft anhören – ideal für Laute, die schwer herauszuhören sind. Falsche Antworten werden nur sanft ausgegraut, nach zwei Versuchen gibt es einen Hinweis, und es gibt keinen Zeitdruck.

Weitere Hör- und Sprachspiele, etwa zu Reimen und Silben, finden Sie in der Lernwelt Buchstaben. Die App ist dabei eine Ergänzung: Das gemeinsame Spielen am Küchentisch oder im Auto bleibt das Herzstück.

Wenn es noch nicht klappt: Das ist normal

Vielleicht nennt Ihr Kind bei „Maus“ fröhlich „Katze“ – weil beides Tiere sind. Das ist kein Fehler im eigentlichen Sinn, sondern zeigt, dass es noch auf die Bedeutung achtet. Genau das ist bei vier- und fünfjährigen Kindern ganz typisch. Den Blick auf den reinen Klang zu richten, ist ein Entwicklungsschritt, der Zeit braucht.

Auch diese Situationen sind häufig und kein Grund zur Sorge:

  • Ähnlich klingende Laute werden verwechselt, etwa „b“ und „p“, „d“ und „t“ oder „g“ und „k“.
  • Ihr Kind nennt statt des Lauts die ganze erste Silbe: „Ma“ statt „Mmm“ bei „Mama“.
  • Selbstlaute am Wortanfang („Ente“, „Ofen“) fallen schwerer als dehnbare Mitlaute.
  • An einem Tag klappt alles, am nächsten scheinbar nichts mehr.

Helfen Sie in solchen Momenten, indem Sie den Laut noch länger ziehen („Mmmmmaus“) und Ihrem Kind den Mund zeigen. Loben Sie das Versuchen, nicht nur das richtige Ergebnis. Und hören Sie auf, bevor die Lust verschwindet.

Wann Sie genauer hinschauen sollten

Wenn Ihr Kind auch nach vielen Monaten spielerischen Übens gar keinen Zugang zu Lauten findet, Gespräche oft missversteht oder häufig nachfragt, kann es sinnvoll sein, das Hörvermögen überprüfen zu lassen. Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt ist hierfür die richtige Anlaufstelle. Auch die Erzieherinnen und Erzieher kennen Ihr Kind gut – für das nächste Entwicklungsgespräch helfen Ihnen unsere 13 Fragen fürs Kita-Gespräch.

Von Anlauten zu Buchstaben

Hört Ihr Kind Anlaute sicher, fragt es oft von selbst: „Wie schreibt man Mmm?“ Dann darf es gern die passenden Buchstaben kennenlernen – immer mit dem Laut, nicht mit dem Buchstabennamen. Wie das gelingt, ohne der Schule vorzugreifen, lesen Sie in unserem Überblick Buchstaben lernen in der Vorschule.

Welche Fähigkeiten rund um Sprache, Motorik und Selbstständigkeit vor der Einschulung sonst noch eine Rolle spielen und wie die Regeln in Ihrer Region aussehen, fasst unser Ratgeber „Vorschule: Was Eltern wissen müssen“ zusammen.

Das Wichtigste in Kürze

Anlaute hören ist eine Hörübung, keine Schreibaufgabe. Mit langgezogenen Lauten, Namen und kleinen Suchspielen im Alltag entdeckt Ihr Kind Schritt für Schritt, wie Wörter beginnen. Bleiben Sie geduldig, lachen Sie über lustige Fehler – und freuen Sie sich mit Ihrem Kind über jedes „Mmm“, das es plötzlich überall hört.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann man mit Anlauten beginnen?

Viele Kinder haben etwa im letzten oder vorletzten Kita-Jahr Freude an Anlautspielen. Einen festen Starttermin gibt es nicht. Wenn Ihr Kind neugierig ist und mitmacht, passt es; wenn es noch keine Lust hat, können Sie es einige Wochen später wieder versuchen.

Sollte mein Kind Buchstabennamen oder Laute lernen?

Für das Lesenlernen sind die Laute wichtiger. Sagen Sie also „Mmm“ statt „Em“ und ein kurzes „t“ statt „Te“. Die Buchstabennamen lernt Ihr Kind später ohnehin nebenbei.

Mein Kind sagt bei „Vogel“ den Laut F – ist das falsch?

Nein, das ist sogar richtig gehört. „Vogel“ klingt am Anfang wie ein F. Beim Anlaute-Hören zählt der Klang, die Rechtschreibung lernt Ihr Kind in der Schule.

Wie oft sollte man Anlaute üben?

Lieber oft und kurz als selten und lange. Ein paar Minuten beim Frühstück, im Auto oder beim Einkaufen reichen völlig. Entscheidend ist, dass es Ihrem Kind Spaß macht.